Mittwoch, 14. Oktober 2015

Eine Welt aus Sand: Der Leuchtturm von Rubjerg Knude

 
 
Hallo Zusammen,

heute möchte ich Euch einen weiteren der wunderschönen Ausflüge vorstellen, die wir in unserem Dänemark-Urlaub unternommen haben. Ich gebe gerne zu, dass es mir ungeheuren Spaß macht, darüber zu schreiben, denn damit sind so viele schöne Erinnerungen verbunden!

Diesmal haben wir ein richtiges Naturphänomen besucht: Die größte sich noch bewegende Wanderdüne Europas. Und den versandten Leuchtturm darin! Den wollten wir unbedingt sehen, solange es ihn noch gibt - doch dazu gleich mehr.

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In meinem Post zur Vennebjerger Mühle und zur Steilküste von Nørre Lyngby hatte ich Euch ja bereits von der Kraft des Windes hier im hohen Norden Dänemarks berichtet. Und bei Rubjerg Knude hat der Wind ebenfalls Erstaunliches geleistet!

 Knude heißt auf Dänisch "Erhebung"; die Rubjerg Knude ist eine riesige Wanderdüne, die zugleich den höchsten Punkt auf der Steilküste zwischen Lønstrup und Løkken bildet. Die Kliffküste ist dort bis zu 50 Meter hoch, dazu kommen noch einmal 50 Meter durch die Aufhäufung des losen Sandes, den der Wind dorthin getragen hat. Es geht also von der Wanderdüne gute 100 Meter die Steilküste bis zum vorgelagerten Sandstrand hinab! Die Küste rückt übrigens auch jedes Jahr um mehrere Meter (!) näher...

Vor mehr als hundert Jahren, am 27. Dezember 1900, wurde dort, wo sich jetzt die Wanderdüne befindet, der Leuchtturm zusammen mit vier Wärterhäuschen eingeweiht. Damals gab es dort nur eine kleine, zwei bis drei Meter hohe Düne - nichts im Vergleich zu jetzt!

Doch schon in den 1910er Jahre trug der Wind unglaublich viel Sand die Steilküste hinauf und es mussten Dutzende Fuhren davon weggekarrt werden, um den Leuchtturm funktionsfähig zu halten. Der Wind trieb die wachsende Wanderdüne unerbittlich weiter, und ab den 1950er Jahren konnte man den Leuchtturm vom Meer aus kaum mehr sehen. Am 1. August 1968 wurde der Betrieb schließlich eingestellt. Es folgten zahlreiche Versuche, der Rubjerg Knude Einhalt zu gebieten - vergebens. Anfang der 1990er Jahre beschloss die dänische Regierung, das gesamte Gebiet unter Naturschutz zu stellen und den Sand frei wandern zu lassen.

Und heute? Der Sand verschiebt sich jedes Jahr um mehrere Meter, die Wärterhäuschen sind aufgegeben und vollständig zerstört, die Düne wandert unaufhaltsam Richtung Nordost  - und der Leuchtturm wird in den nächsten 8-10 Jahren ins Meer stürzen, denn Wind und Wetter sorgen dafür, dass der Küstenabbruch mittlerweile fünf Meter und mehr pro Jahr beträgt.

Das alles hört sich schrecklich destruktiv an - ist aber großartig anzusehen :)

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Wir machten uns an einem strahlenden Herbstsamstag zusammen mit einer befreundeten Familie, die uns im Dänemark-Urlaub besucht hat, auf den Weg. Es gibt einen extra ausgewiesenen Parkplatz, der aber außerhalb des versandeten Gebietes liegt. Das ist auch gut so - der vorherige direkt zu Füßen der Düne wurde aufgrund von Sandtreiben gesperrt. Von dort aus sind es ca. 1,5 Kilometer Fußweg zur Wanderdüne, der aber so gut befestigt ist, dass er selbst mit dem großen Geschwisterwagen und unseren Küstenkinder drin problemlos zu bewältigen ist. Man kann vor Ort ansonsten auch die kostenfrei (!) ausleihbaren Fahrräder benutzen.



Den Weg selbst sollte man sich auch nicht entgehen lassen, denn es ist wirklich ein Erlebnis, wenn man zuerst schön durchs Grüne wandert, vorbei an Wiesen und zahlreichen Sanddorn-Sträuchern - um dann plötzlich mitten in der Wüste zu stehen!



Denn so fühlt es sich an: Auf einmal ist da nur noch Sand. Glücklicherweise fehlt die Hitze; doch die Welt besteht nur noch aus dem hellen, sehr feinen Sand der Wanderdüne und dem unglaublichen Blau des Himmels. Was für ein Kontrast!



Mittendrin ragt der Leuchtturm auf.


Wir erkundeten das ganze Gelände. Besonders reizvoll ist es, ganz nach oben auf die Rubjerg Knude zu klettern und sich einen Überblick über das immense Ausmaß der Düne zu verschaffen.



Auch für die Kinder der befreundeten Familie (sechs und acht Jahre alt) war das ein tolles Erlebnis; sie wurden zusammen mit uns Erwachsenen zu richtigen "Sachensuchern". Denn auch wenn die Nebengebäude des Leuchtturms von Rubjerg Knude größtenteils unter dem Sand begraben liegen, so kommen doch immer wieder spannende Dinge aus ihrem Innenleben an die Oberfläche.



Die Kids hatten beim Entdecken der Ruinen riesig Spaß und durchforsteten die gesamte Umgebung nach Fundstücken.



Wir fanden sogar einen Teil des Sonntagsgeschirrs des Leuchtturmwärters - mit Goldrand!



Und - unglaublich - seine Zahnbürste! Samt einem kleinen gläsernen Fläschchen mit einer geheimnisvollen Flüssigkeit... Was das wohl sein mochte?



Unser Küstenjunge hat nur gestaunt. Er war vollends damit beschäftigt, den riesigen "Sandkasten" zu erkunden, während unser Töchterchen friedlich im Wagen schlief. Lasst Euch übrigens von den durchsonnten Bildern nicht täuschen: Ein kräftiger, kühler Wind wehte trotzdem. Deshalb steckt unser Racker auch in seinem warmen Overall - und damit wir später nicht von den Sandmassen aus der Windel verschüttet werden ;)



Die Ruinen gehen bis dicht an die Steilküste heran. "Bare ruined choirs / Where late the sweet birds sang" oder auch: Ein abenteuerliches Bild der Zerstörungskraft von Sand und Wind.



Dahinter geht es steil bergab zum Strand. Kleine Kinder sollte man also nicht direkt an die Abbruchkante lassen.

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Ein großartiges Erlebnis - wobei wir auch echt Glück mit dem Wetter hatten. Wenn der Wind bei Rubjerg Knude zu stark weht, ist der Ausflug wegen des mit hohen Geschwindigkeiten umherfliegenden Treibsandes nichts für kleine Kinder. Einige Kilometer weiter liegt übrigens noch der alte Hof des Strandaufsehers (Strandfogedgården), in dem eine Ausstellung anschaulich die Geschichte des Leuchtturms und der Wanderdüne erzählt. Außerdem befindet sich in der Nähe die Kirche von Mårup (Mårup Kirke), die ebenfalls vom Meer eingeholt wird und am Abhang steht.

Übrigens: Der Leuchtturm soll in seiner letzten Lebensphase noch einmal für die Öffentlichkeit geöffnet und mit einer neuen Wendeltreppe ausgestattet werden. Hoffentlich haben wir nochmal die Chance, das zu sehen!

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Kennt Ihr auch solche erstaunlichen Naturphänomene? Was würdet Ihr - im Urlaub und zu Hause - immer wieder ansehen?

Einen nicht zu stürmischen Herbst wünscht Euch

Eure Küstenmami



Kommentare :

  1. Wass für ein schöner Ausflug!
    Ich möchte auch mal wieder an die See.
    Unfassbar, dass so Sachen wie die Zahnbürste da noch herumlagen!

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Ja, Wahnsinn; es war, als ob der gesamte Hausstand langsam nach oben kommt...Ein tolles Erlebnis!

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